Brauwesen und Getränketechnologie Student in Freising

Ich kam im Herbst 1993 nach Freising-Weihenstephan um Brauwesen zu studieren.

Zunächst hatte ich keine Wohnung in Freising und habe für zwei Monate bei meinem Vater in München gewohnt. Wir hatten damals ein schreckliches, eher gar kein Verhältnis. Meine Eltern hatten sich ein dreivirtel Jahr zuvor getrennt - eigenlich hätten sie das schon zehn Jahre früher machen können.

Meine Mutter war ins bayerische Oberland gezogen und in der Nähe hatte ich mein Vorpraktikum bei einer kleinen Brauerei in Peißenberg gemacht. Der dortige Braumeister hatte auch in Freising studiert und war gleich bereit mir mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wir machten einen Besuch in Freising und er stellte mir den Alt Weihenstephaner Brauerbund vor. Eine Studentenverbindung in Freising. Erst hatte ich etwas Zweifel, da mir von Studentenverbindungen eigentlich nur bekannt war, dass sie politisch rechts einzuordnen seien und dass man ohne Narbe im Gesicht kein echter Bursch sein könne. Der AWB war dagegen recht unpolitisch und gefochten wurde auch nicht. So lockte mich die Aussicht auf eine Menge neuer Bekannte, Hilfe beim Studium und reichlich Freibier der Verbindung beizutreten und ein Bundesbruder zu werden.

Wir hatten ein Bundesheim, grad auf halbem Weg zwischen meiner Wohnung und der Uni. Selten hatte ich es bis zur Uni geschaft, eigentlich erst nachdem ich aus der Verbindung geworfen wurde.

Das geschah nach drei Semestern. Ich hatte weder im Studium noch im gemeinschaftlichen Verbindungsleben irgendetwas vorzuweisen - außer der Bereitschaft jeder Arbeit so gut es ging aus dem Weg zu gehen und am Zapfhahn, wenn nicht der Erste, zumindest der Zweite zu sein. Doch dadurch riß der Kontakt zum AWB-Bundesheim noch nicht ab.

Dort im Bundesheim gab es sechs Zimmer, die an Bundesbrüder vermietet wurden. Je zwei Zimmer teilen sich ein Bad, und im Gang standen jenachdem Kühlschrank und Doppelkochplatte. Mit zweien der Bewohner hatte sich während meiner Zeit in der Verbindung eine Freundschaft entwickelt und so hatte ich auch nach meinem Rausschmiß noch dort eine Anlaufstation. Eigentlich war es ja eher DIE Anlaufstation, denn wir haben das ganze Jahr mehr oder weniger alles gemeinsam unternommen. Gemeinsame Videosessions, Spiele, alle zehn Tage ein großes Essen, Fahrten nach München und auch ins Ausland, Amsterdam. Meine Mutter hatte zu der Zeit noch ein Haus im Ruhrgebiet, in dem eine Wohnung voll eingerichtet, aber sonst unbewohnt war. Eine ideale Ausgangsbasis, denn von dort waren es nur etwa zwei, zweieinhalb Stunden mit dem Auto zum Leidseplein...

Es gab zwischen Herbst 1993 und Sommer 1995 mit Sicherheit keinen Tag, an dem ich nüchtern war.